Das Eigentor von Facebook…

June 5, 2012 in Communication, Consumer behavior, Innovation, Social Media

Facebook_Eigentor

Gut meint ist das Anliegen von Facebook, seine Nutzer über die neuen AGBs abstimmen zu lassen sicherlich, aber am Ende ist es, um in der Sprache der anstehenden Fußball-EM zu bleiben, ein klassisches Eigentor. Und zwar ein entscheidendes!

Facebook stellt nach tausenden Einwänden von Nutzern die geplanten Änderungen der Daten-Richtlinie und der Nutzungsbedingungen zur Abstimmung. Zu der Abstimmung kommt es jedoch nur, weil mehr als 7.000 Nutzer Kommentare zu den Mitte Mai veröffentlichten Änderungsvorschlägen abgegeben hatten. Nun haben alle registrierten Nutzer zum 8. Juni 18.00 Uhr MESZ die Möglichkeit, auf der Facebook Seite ihre Stimme abzugeben. So weit – So gut. Doch anstatt dies für sich als Marketing zu nutzen, um das sowieso angeschlagene Datenschutz-Image ein wenig zu verbessern, fährt Facebook mit der Aktion erst richtig gegen die Wand.

Die Einschränkung, die Wahl gelte nur dann, wenn ein Drittel der mehr als 900 Millionen geschätzten Mitglieder abstimmt, macht aus der Aktion eine Farce. D.h. es müssen ca. 270 Millionen Nutzer an der Abstimmung teilnehmen. Ein Witz, wenn man bedenkt, dass nicht alle registrierten Facebook-Mitglieder das soziale Netzwerk auch wirklich nutzen, und dass die Abstimmung auf der Page “Facebook Site Governance” erfolgt. Wird dieses Kriterium nicht erfüllt, habe die Abstimmung lediglich “beratenden Charakter” kann man genau auf dieser Seite lesen, auf der Elliot Schrage, Vice President Communications Public Policy und Marketing erklärt, worum es eigentlich geht. Immerhin stehen einem als Nutzer diese Informationen in neun Sprachen zu Verfügung
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Die Page “Facebook Site Governance” wird zur Zeit von ca. 2,1 Millionen Menschen geliked. Auf der offiziellen Facebook-Seite, die ca. 68 Millionen Menschen mögen, ist kein Hinweis auf die Abstimmung zu finden. Technisch ist es doch ein leichtes, alle Nutzer darauf hinzuweisen. U.a. bei der Einführung der Chronik hat man das ja auch schon gemacht. Gut, man muss für die Abstimmung die Seite nicht liken, aber das Ganze hat schon einen bitteren Beigeschmack. Zum Zeitpunkt der Abstimmung des Autors haben ca. 145.000 Nutzer an de Abstimmung teilgenommen.

Mal ehrlich, was soll das? Hält man bei Facebook seine Nutzer, und damit sein Kapital, wirklich für so dämlich? Oder denkt man tatsächlich so kurzfristig und meint, das Thema ist bald wieder vergessen? Wenn Facebook so weiter macht, steht das Unternehmen schneller im Abseits als es gucken kann.

Autorenprofil von Martin Wysterski